PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Marc Okrand zu Besuch



Zer0
28.05.2008, 15:07
Linguistics and Science Fiction: An Introduction to Klingon (http://www.idf-heidelberg.de/aktuell.htm)

Netterweise hat das Interdisziplinäre Forum es geschafft, den Erfinder der klingonischen Sprache heute nach Heidelberg zu bringen, um einen Vortrag im Rahmen der Reihe Wissen und Sprache zu halten. Ich werde mir das ganze auf jeden Fall mal anschauen und später Bericht erstatten. Wer sich sonst noch im Rhein-Neckar-Raum befindet und Gelegenheit hinzufahren hat, sollte sich das ansehen, auch wenn der Hörsaal des Kirchhoff-Institutes wahrscheinlich maßlos überfüllt sein wird - vielleicht sieht man sich ja.

Edit:

So: ich bin jetzt wieder zurück und muss sagen, dass es sich absolut gelohnt hat. Marc Okrand hat einen sehr informativen und auch unterhaltsamen Vortrag gehalten.

Nach einer netten Einleitung durch ein Mitglied des IDF, die mit "Space, the final frontier..." begann, kam der Sprecher dran und wies zunächst daraufhin, dass er seine Vorträge über Klingonisch üblicherweise nicht in Universitäten, sondern auf Star Trek-Conventions halte (Am Rande erwähnte er noch, dass er einmal bei der NSA einen Vortrag gehalten habe, obwohl er sich nicht erklären konnte, was die damit wollten...).

Er hat den ganzen Vortrag historisch aufgebaut, angefangen bei seiner Arbeit für Star Trek 2: da hat er darüber berichtet, wie er Mr. Spock lehrte, Vulkanisch zu sprechen, das mehr oder weniger eine Ersetzung der Silben war, d.h. es sah genauso aus wie der Originaltext, da es nachsynchronisiert werden musste. Im dritten Film ging es dann um die klingonische Sprache, die im Gegensatz zu Vulkanisch eine richtige Sprache werden sollte. Es sollte möglichst nicht-menschlich klingen, also versuchte er möglichst viele Charakteristika menschlicher Sprachen zu verletzen, um diesen Effekt zu erreichen. Beispielsweise ist die Satzordnung (Objekt-Prädikat-Subjekt) die auf der Erde unüblichste und die verwandten Laute existieren vorzugsweise in nur sehr wenigen Sprachen.

Interessant war es nebenbei auch, wie die Filmcrew ihn dazu brachte, die Sprache an die Umstände anzupassen. Wenn eine Szene abgesehen vom Klingonisch perfekt passte, dann wurde eben das Vokabular geändert.

Im Anschluss an den Film dachte sich das Studio, man könne mit einem Wörterbuch ein wenig Profit rausschlagen, also entwickelte er den kompletten Wortschatz für die klingonische Sprache. Das war offenbar schwieriger als die Arbeit am Film, da er nun etwas hatte, an das er sich halten musste nämlich die Filmvorlage.

Dann berichtete er außerdem darüber, wie sich "seine" Sprache verselbstständigte, sodass heute ein Klingon Language Institute existiert. Außerdem kannte er einen Mann, der versucht hat sein Kind bilingual (Klingonisch, Englisch) zu erziehen, was auch funktioniert hat. Als ihm dies klar wurde, hat er damit allerdings aufgehört (Schade eigentlich, an Stelle seines Sohnes fände ich es cool, Klingonisch als Muttersprache zu haben). Die Zuweisung seiner Laute zum klingonischen Alphabet, dass ursprünglich nur ein Artwork von Okuda war, um die Terminals zu illustrieren, wurde übrigens vom KLI vorgenommen. Okrand selbst verwandte die gebräuchliche Schreibweise mit lateinischen Buchstaben. Wer sich gefragt hat, warum viele Buchstaben in diesem Alphabet mitten im Wort groß geschrieben werden; Okrand wollte die Schauspieler sensibilisieren: das hier wird nicht normal ausgesprochen, lerne es auswendig!

Trivia am Rande: Auf die Nachfrage Sprechen Sie fließend Klingonisch? gab er zu, dass er zwar die Grammatik kenne, jedoch die meisten Vokabeln wieder vergessen habe (Als Linguist sehe er ohnehin im Allgemeinen Sprachen mehr als Studien-, denn als Lernobjekt an, sodass er selbst nicht sonderlich viele Sprachen spricht). Was zudem vielleicht interessant ist (Achtung, ganz kleiner Spoiler), für den neuen Star Trek-Film wurde Okrand auch zu Rate gezogen, d.h. es wird offenbar an der ein oder anderen Stelle Klingonisch gesprochen. Er selbst hat allerdings gesagt, dass er sich ernsthaft frage, was die alles mit dem Film, der bereits im Kasten ist, machen, bis er nächstes Jahr draußen ist.

So, das war jetzt eine kleine Zusammenfassung des Vortrags, in der natürlich nicht alles vorkam. Falls euch das ein oder andere interessiert, was ich nicht aufgezählt habe, fragt einfach - möglicherweise kam es im Vortrag vor.